Bedienungs- und Einstellanleitung
Serien-Klappenvergaser für die Motoren VT390-13 und VT390-16
1. Über diese Anleitung
Der VT390-13 und der VT390-16 laufen mit dem Serienvergaser, den Honda werkseitig auf dem GX390 verbaut: ein Klappenvergaser mit fester Venturi-Geometrie. Anders als der VM22 (VT390-20) oder der TM33 (VT390-26) hat er keinen Rundschieber oder Flachschieber, sondern eine Drosselklappe – und deutlich weniger frei einstellbare Parameter. Diese Anleitung zeigt dir den Aufbau, die Bedienung, die Einstellgrenzen und die häufigsten Probleme.
Für welche Motoren gilt sie? Für den VT390-13 und den VT390-16 – beide mit Serien-Klappenvergaser und optimierter Bedüsung von JBMK GX Racing. Für den VT390-20 (VM22) oder VT390-26 (TM33) nutze die separate Anleitung VM22/TM33 Vergaser.
HINWEIS
Der Serienvergaser hat keine verstellbare Düsennadel und keine Beschleunigungspumpe. Deine wesentlichen Stellgrößen sind die Standgasschraube, die Hauptdüse und – mit Einschränkung, siehe Kapitel 9.2 – die Leerlaufgemischschraube. Anders als bei VM22/TM33 nennt diese Anleitung für die Hauptdüse konkrete Werte, weil JBMK GX Racing den VT390-13 und VT390-16 mit einer festgelegten, geprüften Bedüsung ausliefert (Kapitel 11.2).
2. Sicherheit zuerst
Am Vergaser arbeitest du direkt mit Kraftstoff – oft an einem warmen Motor.
- Feuergefahr: Benzin und seine Dämpfe sind leicht entzündlich. Kein offenes Feuer, keine Funken, keine Zigaretten in der Nähe.
- Belüftung: Nur im Freien oder in gut belüfteten Räumen arbeiten. Dämpfe nicht einatmen.
- Motor abkühlen lassen: Auspuff und Zylinder werden sehr heiß.
- Kraftstoff auffangen: Beim Öffnen der Schwimmerkammer läuft Benzin aus. Gefäß und Lappen bereithalten, Reste fachgerecht entsorgen.
- Augenschutz: Beim Ausblasen mit Druckluft und beim Reinigen mit Vergaser-/Bremsenreiniger immer Schutzbrille tragen.
WARNUNG
Eine zu magere Einstellung kann den Motor überhitzen und zum Kolbenklemmer führen. Ändere Hauptdüse oder Leerlaufgemisch nur in kleinen Schritten und kontrolliere jede Änderung über das Zündkerzenbild (Kapitel 12). Alle Änderungen an der Bedüsung erfolgen auf eigenes Risiko.
3. Dein Vergaser im Überblick
3.1 Aufbau
Der Serienvergaser ist ein liegender Vergaser mit Drosselklappe ("Horizontal type, butterfly valve"). Die wichtigsten Bauteile:
- Drosselklappe: öffnet und schließt über den Gaszug den Ansaugquerschnitt.
- Standgasschraube (Leerlaufanschlag): begrenzt, wie weit die Drosselklappe im Leerlauf geschlossen bleibt – bestimmt die Leerlaufdrehzahl.
- Leerlaufgemischschraube: sitzt unter einer werkseitigen Anschlagkappe. Dazu mehr in Kapitel 9.2.
- Schwimmerkammer: hält den Kraftstoffstand über ein Schwimmer-Nadelventil konstant.
- Hauptdüse: fest eingeschraubt, wechselbar. Bestimmt die Kraftstoffmenge im mittleren bis oberen Lastbereich.
- Chokehebel: für den Kaltstart, reichert das Gemisch beim Start an.
- Entlüftungs-/Überlaufweg der Schwimmerkammer.

3.2 Unterschiede zu VM22 und TM33
- Keine Düsennadel mit Clip-Position: Die Teillastabstimmung ergibt sich aus der festen Vergasergeometrie, nicht aus einer einstellbaren Nadelhöhe.
- Keine Beschleunigungspumpe: Der Serienvergaser spritzt beim schnellen Gasgeben keine Zusatzmenge Kraftstoff ein. Die Übergangsabstimmung hängt an der Vergaserauslegung und der Hauptdüsenwahl.
- Leerlaufgemischschraube werkseitig plombiert (Anschlagkappe) – das gibt es beim VM22/TM33 in dieser Form nicht.
4. So arbeitet der Serienvergaser – nach Lastbereich
Merksatz: Probleme im Leerlauf und beim Anfahren → Leerlaufsystem (Standgasschraube, Leerlaufgemischschraube, Leerlaufbohrungen). Probleme bei Vollgas (Motor zieht oben nicht durch, wird zu heiß) → Hauptdüse. Für den Übergangsbereich (Teillast) gibt es beim Serienvergaser keine eigene Stellschraube – hier zählt vor allem ein sauberer, unverstopfter Vergaser mit der passenden Hauptdüse.
5. Betriebsstoffe & Voraussetzungen
5.1 Kraftstoff
Freigegeben ist bleifreies Benzin mit mindestens 95 Oktan. Details zu Kraftstoffsorten, Ethanolanteil und unserer Empfehlung findest du im Merkblatt Kraftstoffempfehlung.
5.2 Kraftstoffversorgung
Kontrolliere den Sedimentbecher/das Sieb am Kraftstoffhahn regelmäßig auf Schmutz und reinige ihn bei Bedarf (Drehmoment Sedimentbecher: 3,9 N·m). Schläuche auf Risse, Knicke und dichte Verbindungen prüfen – zieht die Zuleitung Nebenluft, wird die Versorgung unzuverlässig.
5.3 Entlüftung der Schwimmerkammer
Der Entlüftungs-/Überlaufweg der Schwimmerkammer muss frei bleiben. Ist er verstopft oder geknickt, läuft der Vergaser über oder der Motor läuft mager, obwohl die Bedüsung stimmt.
6. Benötigtes Werkzeug
- Schlitzschraubendreher passender Größe für Standgas- und Leerlaufgemischschraube
- Kreuzschraubendreher für die Schrauben der Schwimmerkammer
- Passender Schraubendreher bzw. Steckschlüssel für die Hauptdüse
- Auffanggefäß und saugfähige Lappen
- Vergaser- oder Bremsenreiniger
- Druckluft zum Ausblasen der Düsen und Kanäle (niemals mit Draht durchstochern – das verändert die Bohrung)
- Schutzbrille und Einweghandschuhe
- Zündkerzenschlüssel für die NGK BPR6ES
- Fühlerlehre zum Prüfen des Elektrodenabstands (0,7–0,8 mm)
- optional: Drehzahlmesser für die Leerlaufeinstellung, Messschieber zur Kontrolle des Schwimmers
7. Vor dem ersten Start – Checkliste
- Tank ausreichend gefüllt (siehe Kraftstoffempfehlung).
- Kraftstoffleitungen und Sedimentbecher sauber, dicht und ohne Knick.
- Entlüftungs-/Überlaufweg der Schwimmerkammer frei.
- Luftfilter montiert, sauber und fest.
- Gaszug leichtgängig, kehrt selbstständig in den Leerlauf zurück.
- Chokehebel funktioniert und lässt sich sauber öffnen und schließen.
- Zündkerze und Zündkerzenstecker fest.
- Alle Vergaserschrauben handfest angezogen, nichts sichtbar undicht.
8. Starten & Warmfahren
8.1 Kaltstart
- Choke schließen (Starterklappe zu). Bei kaltem Motor braucht es ein fetteres Gemisch.
- Kein oder nur ganz wenig Gas geben und starten.
- Sobald der Motor läuft, den Choke schrittweise öffnen und zurücknehmen, sobald er sauber ohne Choke rundläuft.
8.2 Warmfahren
ACHTUNG
Lass den Motor nicht im Stand warmlaufen. Diese Motoren werden im Fahrbetrieb gekühlt – im Leerlaufstand staut sich die Wärme. Fahre ihn stattdessen mit niedrigen, langsam steigenden Drehzahlen warm.
8.3 Warmstart
Ist der Motor bereits warm, brauchst du den Choke in der Regel nicht.
9. Leerlauf einstellen
9.1 Standgasschraube (Leerlaufdrehzahl)
Motor warmfahren (Kapitel 8.2) und im Leerlauf laufen lassen. Mit der Standgasschraube die Leerlaufdrehzahl auf den Sollwert einstellen. Sollwert: 1.500 ± 150 min⁻¹.
9.2 Leerlaufgemischschraube – wichtiger Hinweis zur Werksplombe
HINWEIS
Ab Werk sitzt über der Leerlaufgemischschraube eine Anschlagkappe (Plombe) – eine Vorgabe aus der Serienfertigung zur Einhaltung der Abgasvorschriften.
10. Schwimmerkammer, Kraftstoffstand & Überlaufen
Die Schwimmerkammer hält den Kraftstoffstand konstant. Ein Schwimmer und ein Nadelventil arbeiten dabei wie in einem Spülkasten: Ist genug Sprit drin, steigt der Schwimmer und schließt das Ventil. Klemmt hier etwas oder ist das Ventil undicht, läuft der Vergaser über oder der Motor säuft ab.
10.1 Wann ist die Schwimmerkammer die Ursache?
- Kraftstoff tropft aus dem Überlaufweg, obwohl der Motor steht.
- Der Motor säuft immer wieder ab oder startet nur mit viel Aufwand.
- Der Leerlauf lässt sich nicht stabil einstellen, obwohl Standgasschraube und Bedüsung passen.
10.2 So prüfst du
- Auffanggefäß bereitstellen.
- Schwimmerkammer abschrauben.
- Schwimmer auf freie Beweglichkeit prüfen – er muss leicht auf und ab gehen, ohne zu klemmen.
- Nadelventil und Ventilsitz auf Schmutz, Riefen und Dichtheit prüfen. Ein Schmutzkorn im Ventil reicht, damit der Vergaser überläuft.
- Alles vorsichtig reinigen, Dichtung prüfen und wieder montieren.
Sollwert Schwimmerstand laut Honda-Werkstatthandbuch: 13,2 mm. Eine Toleranzangabe nennt das Werkstatthandbuch dazu nicht (nicht sicher belegbar) – arbeite so nah wie möglich am Sollwert und merke dir vor jeder Änderung die Ausgangslage.
11. Hauptdüse wechseln
11.1 Warum überhaupt wechseln?
Der Bedarf hängt vor allem von der Luftdichte ab: kalt/dichte Luft/niedrige Höhe → tendenziell fetter, heiß/dünne Luft/große Höhe → tendenziell magerer. Honda weist in seinen Bedienungsanleitungen ausdrücklich darauf hin, dass ein für große Höhenlagen abgemagerter Vergaser bei Betrieb unterhalb von rund 1.500 m zu Motorheißlauf und schweren Schäden führen kann – ändere die Bedüsung also nur, wenn du auch tatsächlich unter anderen Bedingungen fährst, und mach eine Höhen-/Temperaturänderung im Zweifel rückgängig, sobald du wieder in normaler Umgebung fährst.
11.2 Empfohlene Hauptdüsengrößen für JBMK-Motoren
JBMK GX Racing liefert VT390-13 und VT390-16 mit folgender, geprüfter Bedüsung aus:
HINWEIS
Weicht dein Einsatz deutlich von normaler Umgebungstemperatur oder Meereshöhe ab, kontrolliere die Wahl über das Zündkerzenbild (Kapitel 12), bevor du dauerhaft damit fährst.
11.3 Düse wechseln – Schritt für Schritt
- Schwimmerkammer öffnen (Kapitel 10.2).
- Hauptdüse vorsichtig herausschrauben. Notiere dir die aktuell verbaute Größe, bevor du etwas änderst.
- Neue Düse handfest einsetzen – nicht überdrehen, das Gewinde ist weich.
- Schwimmerkammer mit intakter Dichtung schließen.
- Probelauf und Zündkerzenbild prüfen (Kapitel 12).
TIPP Reinige Düsen nur mit Reiniger und Druckluft. Ein Durchstechen mit Draht verändert die Bohrung und damit die Abstimmung dauerhaft.
12. Zündkerzenbild lesen
Die Zündkerze ist dein ehrlichstes Messinstrument. Ihr Aussehen zeigt, ob die Verbrennung sauber ist und ob das Gemisch eher zu fett oder zu mager läuft.
12.1 Deine Kerze: NGK BPR6ES
Wir verwenden ausschließlich die NGK BPR6ES – dieselbe Zündkerze, die Honda ab Werk einsetzt. Elektrodenabstand: 0,7–0,8 mm. Lies das Kerzenbild nur mit dieser Kerze; ein anderer Wärmewert oder ein falscher Elektrodenabstand verfälscht das Ergebnis.
12.2 Kurzablauf
- Frische oder gereinigte NGK BPR6ES einsetzen.
- Motor betriebswarm fahren.
- Den zu prüfenden Bereich konstant fahren. Für Volllast: bei Vollgas die Zündung abstellen bzw. das Gas schlagartig wegnehmen und ausrollen lassen – nicht in den Leerlauf zurückfallen lassen, sonst überlagert der Leerlauf das Bild.
- Motor abkühlen lassen, Bereich um die Kerze säubern, Kerze herausdrehen.
- Bei gutem Licht ablesen, den Isolatorfuß nicht mit den Fingern berühren.
12.3 So liest du das Bild
- Helles, weißliches Bild nach einem Volllast-Check → Hauptdüse zu mager (Kapitel 11).
- Dunkles, verrußtes Bild aus dem unteren Bereich → Leerlaufgemisch zu fett bzw. Leerlaufsystem verschmutzt (Kapitel 9, 13).
- Blasige/glasige Keramik, angeschmolzene oder stark verrundete Elektroden, Aluminium-Kügelchen, gerissener Isolator → Zeichen für Überhitzung, Detonation oder Glühzündung.
WARNUNG Bei den zuletzt genannten Bildern sofort die Fahrt beenden. Typische Ursachen: zu mageres Gemisch, zu niedrige Oktanzahl oder Überhitzung. Fette das Gemisch an, verwende hochoktanigen Kraftstoff und suche die Ursache, bevor du erneut startest.

14. Fehlerbehebung – Serienvergaser
Prüfe zuerst immer die einfachen Dinge: Sprit im Tank, Kraftstoffhahn offen, Filter und Entlüftungsweg frei. Die folgenden Ursachen orientieren sich unter anderem an der offiziellen Honda-Vergaser-Inspektionsanleitung.
Leerlauf-Probleme Symptome: unruhiger Leerlauf, Motor geht im Leerlauf aus

13. Reinigung, Wartung & Einlagerung
13.1 Regelmäßige Kontrolle
- Luftfilter sauber halten.
- Sedimentbecher/Kraftstofffilter regelmäßig prüfen und bei Verschmutzung reinigen.
- Schläuche und Dichtungen auf Risse und Undichtigkeiten kontrollieren.
13.2 Vergaser reinigen
Läuft der Motor unrund, obwohl Standgas und Bedüsung stimmen, ist oft Schmutz im Spiel. Schwimmerkammer öffnen, Hauptdüse ausbauen, mit Reiniger und Druckluft säubern. Keine Metalldrähte verwenden.
13.3 Einlagerung / längere Standzeit
ACHTUNG
Vergaser vor längerer Standzeit entleeren. Bleibt Kraftstoff über Wochen im Vergaser, verharzt er und setzt die feinen Bohrungen zu – laut Honda die häufigste Ursache für Startprobleme nach der Winterpause. Ab einer Standzeit von mehr als drei Monaten empfiehlt Honda ausdrücklich, den Kraftstoff aus der Schwimmerkammer abzulassen.

Startprobleme Symptome: Motor startet nicht, startet schlecht, geht nach dem Start sofort wieder aus

Leistungsprobleme / Vollgas Symptome: Motor zieht oben nicht durch, wird unter Volllast zu heiß, Drehzahl instabil

Mehr zu allgemeinen Leistungsproblemen (Kompression, Auspuff, Ventilfedern): Fehlerbehebung Honda GX390.
Verbrennungsanomalie Symptome: Knallt beim Gaswegnehmen
Schwimmerkammer / Kraftstoffversorgung Symptome: Vergaser läuft über, Motor säuft ab
WARNUNG
Bei einem sehr hellen, weißen Kerzenbild oder wenn der Motor auffällig heiß wird: Fahrt sofort beenden, Gemisch anfetten. Weiterfahren kann den Motor zerstören.

15. Kurz-Checkliste vor jeder Fahrt
- Genug Sprit im Tank
- Filter und Kraftstoffweg frei, Überlaufweg nicht geknickt
- Luftfilter sauber und fest
- Gaszug leichtgängig, fällt sauber in den Leerlauf zurück
- Motor mit niedrigen, langsam steigenden Drehzahlen warmfahren (nicht im Stand warmlaufen lassen)
