VM22 & TM33 Vergaser einstellen – Anleitung | JBMK GX Racing

Bedienungs- und Einstellanleitung

Vergaser VM22 und TM33 für die Motoren VT390-20 und VT390-26

1. Über diese Anleitung
Dein VT390-Motor ist auf Leistung und Standfestigkeit aufgebaut. Damit er genau so läuft, wie er soll, spielt der Vergaser die Hauptrolle: Er mischt Kraftstoff und Luft im richtigen Verhältnis – über den gesamten Drehzahlbereich. Diese Anleitung zeigt dir, wie dein Vergaser aufgebaut ist, wie du ihn richtig bedienst und einstellst und wie du die häufigsten Probleme selbst löst, ohne lange zu raten.
 

Für welche Motoren gilt sie? Für den VT390-20 mit dem Rundschieber-Vergaser VM22 und für den VT390-26 mit dem Flachschieber-Vergaser TM33 (mit Beschleunigungspumpe). Beide Motoren teilen sich viel Technik – die Vergaser unterscheiden sich aber in einigen Punkten. Achte deshalb immer auf die Hinweise, die speziell für deinen Vergaser gelten.

 

HINWEIS
Diese Anleitung nennt bewusst keine konkreten Düsengrößen, Nadelpositionen oder Schwimmerwerte. Jeder Motor wird individuell abgestimmt, und die richtigen Werte hängen von Aufbau, Einsatz und Bedingungen ab. Du lernst hier stattdessen, wie du die Wirkung jeder Einstellung erkennst und in die richtige Richtung veränderst.
Arbeite dich am besten einmal von vorne durch. Wenn du direkt ein Problem lösen willst, springe zu Kapitel 15 (Fehlerbehebung).
 

2. Sicherheit zuerst
Am Vergaser arbeitest du direkt mit Kraftstoff – und oft an einem warmen Motor. Nimm dir die folgenden Punkte bitte zu Herzen, bevor du loslegst.

  • Feuergefahr: Benzin und seine Dämpfe sind leicht entzündlich. Arbeite nie in der Nähe von offenem Feuer, Funken oder Zigaretten.
  • Belüftung: Arbeite im Freien oder in einem gut belüfteten Raum. Dämpfe nicht einatmen.
  • Motor abkühlen lassen: Auspuff und Zylinder werden sehr heiß. Vor Arbeiten am Vergaser den Motor abkühlen lassen.
  • Kraftstoff auffangen: Beim Öffnen der Schwimmerkammer läuft Benzin aus. Halte einen Lappen und ein Gefäß bereit und entsorge Reste fachgerecht.
  • Augenschutz: Beim Ausblasen mit Druckluft und beim Reinigen mit Bremsenreiniger unbedingt Schutzbrille tragen.

WARNUNG
Eine zu magere Einstellung kann deinen Motor zerstören.
Zu wenig Kraftstoff führt zu Überhitzung und im schlimmsten Fall zum Kolbenklemmer. Verändere Düsen und Nadel immer nur in kleinen Schritten und kontrolliere das Ergebnis (siehe Kapitel 12, Zündkerzenbild). Alle Änderungen an der Bedüsung nimmst du auf eigenes Risiko vor.

3. Dein Vergaser im Überblick
Bevor du etwas einstellst, solltest du wissen, wo was sitzt. Nimm dir kurz Zeit, deinen Vergaser mit den folgenden Abbildungen zu vergleichen.
 

3.1 VM22 (VT390-20) – der Rundschieber
Der VM22 ist ein klassischer Rundschieber-Vergaser. Der Gasschieber ist rund und gleitet senkrecht auf und ab. Er ist robust, einfach aufgebaut und gut für den Alltag geeignet.

  • Standgasschraube (Leerlaufanschlag): begrenzt, wie weit der Gasschieber im Leerlauf geschlossen ist – bestimmt also die Leerlaufdrehzahl.
  • CO- bzw. Gemischschraube: regelt das Gemisch im Leerlauf fein nach.
  • Schwimmerkammer: das Reservoir unten am Vergaser, in dem der Kraftstoffstand konstant gehalten wird.
    Chokehebel (Starterklappe): reichert das Gemisch für den Kaltstart an.
  • Gaszuganschluss: oben am Deckel, führt zum Gasschieber.
  • Entlüftungs-/Überlaufschlauch: führt überschüssigen Kraftstoff und Luft aus der Schwimmerkammer ab.
Bild eines VM22 Vergasers mit Markierungen und Bezeichnungen
Bild eines VM22 Vergasers mit Markierungen und Bezeichnungen
Bild eines VM22 Vergasers mit Markierungen und Bezeichnungen

3.2 TM33 (VT390-26) – der Flachschieber mit Beschleunigungspumpe


Der TM33 ist ein moderner Flachschieber-Vergaser mit größerem Durchlass. Der flache Schieber gibt den Luftweg schneller frei – das sorgt für spontanere Gasannahme und mehr Leistung im oberen Bereich. Zusätzlich hat der TM33 eine Beschleunigungspumpe.
 

Beschleunigungspumpe: Sie spritzt beim schnellen Aufreißen des Gases eine kleine Extra-Menge Kraftstoff ein und verhindert so das kurze „Loch“ (Verschlucken) beim Gasstoß. Wichtig: Die Pumpe hat keinen Hebel, den du von Hand betätigst. Sie wird direkt über den Gaszug bzw. die Schieberbewegung mit angesteuert – sie arbeitet also automatisch, sobald du Gas gibst.

Bild eines TM33 Vergasers mit Markierungen und Bezeichnungen
Bild eines TM33 Vergasers mit Markierungen und Bezeichnungen

3.3 Die Unterschiede auf einen Blick

4. So arbeitet ein Vergaser – nach Lastbereich

Merksatz: Probleme im Leerlauf und beim Anfahren → Leerlaufsystem. Probleme im mittleren Bereich (gleichmäßiges Ruckeln bei Teilgas) → Nadel. Probleme bei Vollgas (Motor zieht oben nicht durch oder wird zu heiß) → Hauptdüse.

Bild mit einem Vergaser und den Gasschieberstellungen

5. Betriebsstoffe & Voraussetzungen
 

5.1 Kraftstoff


Empfehlung: hochoktaniger, bleifreier Premium-Kraftstoff mit möglichst geringem Biokraftstoff-/Ethanolanteil (max. 5 % Ethanol). Ein hoher Oktanwert senkt die Detonationsneigung. Ethanol zieht Wasser und greift Dichtungen an – zu viel davon führt zu Startproblemen und Korrosion im Vergaser. Details findest du im Merkblatt „Benzinarten“ in unserem Download-Bereich.
 

5.2 Kraftstoffversorgung


Dein Motor wird über eine Impuls-/Unterdruckpumpe mit Kraftstoff versorgt. Sie nutzt die Druckschwankungen im Kurbelgehäuse und fördert den Sprit aus dem Tank zum Vergaser.

  • Den Kraftstofffilter regelmäßig auf Schmutz und Verfärbung kontrollieren und bei Bedarf tauschen. Ein zugesetzter Filter ist eine der häufigsten Ursachen für Leistungsmangel und Aussetzer.
  • Schläuche auf Risse, Knicke und dichte Verbindungen prüfen. Zieht die Pumpe Nebenluft, fördert sie schlecht. 

5.3 Entlüftungs- und Überlaufschläuche


Die Schläuche an der Schwimmerkammer müssen frei bleiben. Verlege sie nach oben, ohne Knick und ohne Quetschung, und sorge dafür, dass die Enden offen sind. So bleibt die Schwimmerkammer richtig belüftet und der Kraftstoffstand stabil.
 

ACHTUNG
Ein geknickter oder verstopfter Entlüftungsschlauch stört den Kraftstofffluss – der Motor läuft dann mager, ruckelt oder geht aus, obwohl mit der Bedüsung alles stimmt. Prüfe die Schläuche deshalb immer zuerst.

 

HINWEIS
Öl und Einfahren sind nicht Teil dieser Vergaser-Anleitung – dazu dient unser „Einfahr- und Wartungshinweise“ im Download-Bereich. Die Zündkerze behandeln wir in Kapitel 12.

 

6. Benötigtes Werkzeug


Für die meisten Arbeiten brauchst du wenig. Das Wichtigste vorab:
Schlitzschraubendreher in passender Größe – für die Standgas- und die Gemisch-/Luftschraube reicht das in der Regel aus.

  • Kreuzschraubendreher in passender Größe - für die Schrauben der Schwimmerkammer
  • kleiner Ring-/Maulschlüssel für die Düsen (bzw. passender Schlitzschraubendreher, je nach Düsentyp)
  • Auffanggefäß und saugfähige Lappen
  • Vergaser- oder Bremsenreiniger
  • Druckluft zum Ausblasen der Düsen und Kanäle (niemals mit Draht durchstochern – das verändert die Bohrung)
  • Schutzbrille und Einweghandschuhe
  • Zündkerzenschlüssel (für die NGK BPR6ES)
  • Fühlerlehre zum Prüfen des Elektrodenabstands (0,7-0,8 mm)
  • optional: Drehzahlmesser für die Leerlaufeinstellung, Messschieber zur Kontrolle des Schwimmers, Ersatzdichtungen für die Schwimmerkammer 

7. Vor dem ersten Start – Checkliste

  1. Tank ausreichend gefüllt (Premium, max. 5 % Ethanol).
  2. Kraftstoffleitungen und Filter sauber, dicht und ohne Knick.
  3. Entlüftungs-/Überlaufschläuche frei, nach oben verlegt, nicht geknickt.
  4. Luftfilter montiert, sauber und fest.
  5. Gaszug leichtgängig, kehrt selbstständig in den Leerlauf zurück, kein Klemmen.
  6. Chokehebel funktioniert und lässt sich sauber öffnen und schließen.
  7. Zündkerze und Zündkerzenstecker fest.
  8. Alle Vergaserschrauben handfest angezogen, nichts sichtbar undicht. 

8. Starten & Warmfahren


8.1 Kaltstart

  1. Choke schließen (Starterklappe zu). Bei kaltem Motor braucht es ein fetteres Gemisch.
  2. Kein oder nur ganz wenig Gas geben und den Motor starten.
  3. Sobald der Motor läuft, den Choke schrittweise öffnen. Nimm ihn zurück, sobald der Motor sauber und ohne Choke rundläuft. 

8.2 Warmfahren – nicht im Stand warmlaufen lassen


ACHTUNG
Lass den Motor nicht im Stand warmlaufen.
Diese Motoren werden im Fahrbetrieb gekühlt. Steht der Motor nur im Leerlauf, staut sich die Wärme. Fahre ihn stattdessen mit niedrigen und langsam steigenden Drehzahlen warm. So kommt er gleichmäßig auf Temperatur und wird dabei ausreichend gekühlt.
 

8.3 Warmstart
Ist der Motor bereits warm, brauchst du den Choke in der Regel nicht. Starte ohne Choke; nur wenn er zickt, hilft ein kurzer, kleiner Chokeeinsatz.


9. Leerlauf einstellen
Die Leerlaufeinstellung ist die Einstellung, die du am häufigsten selbst machst – und sie ist unkritisch, solange du in kleinen Schritten arbeitest. Wichtig: Stelle den Leerlauf immer am betriebswarmen Motor ein (vorher warmfahren, siehe Kapitel 8).


Zwei Schrauben, zwei Aufgaben:
Standgasschraube: bestimmt die Leerlaufdrehzahl (wie schnell der Motor im Leerlauf dreht).

  • CO- bzw. Gemischschraube: bestimmt, wie sauber und rund der Leerlauf läuft.

9.1 Schritt für Schritt

  1. Motor warmfahren und im Leerlauf laufen lassen.
  2. Mit der Standgasschraube eine ruhige, aber nicht zu hohe Leerlaufdrehzahl einstellen.
  3. Jetzt die CO- bzw. Gemischschraube langsam in kleinen Schritten (etwa 1/8 Umdrehung) verstellen und nach jeder Änderung ein paar Sekunden abwarten. Ziel ist der Punkt, an dem der Motor am höchsten und rundesten dreht.
  4. Wird der Leerlauf durch das Einstellen zu hoch, mit der Standgasschraube wieder etwas zurücknehmen und die Gemisch-/Luftschraube erneut fein abstimmen.
  5. Zum Schluss prüfen: Gas kurz aufziehen und wieder loslassen. Der Motor muss sauber annehmen und wieder in einen stabilen Leerlauf zurückfallen, ohne auszugehen. 

TIPP
Die CO- bzw. Gemischschraube kann je nach Ausführung eine Luft- oder eine Gemischschraube sein. Beide wirken in die entgegengesetzte Richtung. Verlass dich deshalb nicht auf „rein = fett“ oder „raus = mager“, sondern auf das Ergebnis am laufenden Motor: Du suchst die Stellung mit dem höchsten, rundesten Leerlauf. Merke dir vor dem Verstellen die Ausgangsstellung (Schraube sanft bis zum Anschlag eindrehen und Umdrehungen zählen), dann findest du jederzeit zurück.

 

10. Schwimmerkammer, Kraftstoffstand & Überlaufen


Die Schwimmerkammer hält den Kraftstoffstand konstant. Ein Schwimmer und ein Nadelventil arbeiten dabei wie in einem Spülkasten: Ist genug Sprit drin, steigt der Schwimmer und schließt das Ventil. Klemmt hier etwas oder ist das Ventil undicht, läuft der Vergaser über oder der Motor säuft ab.


10.1 Wann ist die Schwimmerkammer die Ursache?

  • Kraftstoff tropft aus dem Überlaufschlauch, obwohl der Motor steht.
  • Der Motor säuft immer wieder ab oder startet nur mit viel Aufwand.
  • Der Leerlauf lässt sich nicht stabil einstellen, obwohl an den Schrauben alles passt.


10.2 So prüfst du

  1. Auffanggefäß bereitstellen.
  2. Schwimmerkammer abschrauben (Schrauben am Boden des Vergasers).
  3. Schwimmer auf freie Beweglichkeit prüfen: Er muss leicht auf und ab gehen, ohne zu klemmen.
  4. Nadelventil und Ventilsitz auf Schmutz, Riefen und Dichtheit prüfen. Ein Schmutzkorn im Ventil reicht, damit der Vergaser überläuft.
  5. Alles vorsichtig reinigen, Dichtung der Schwimmerkammer prüfen und wieder montieren.

HINWEIS
Merke dir die Ausgangslage des Schwimmers, bevor du etwas biegst oder verstellst. So kannst du jede Änderung zurücknehmen, wenn sie nicht das gewünschte Ergebnis bringt.
 

11. Bedüsung & Düsennadel (fortgeschritten)


WARNUNG
Nur für erfahrene Schrauber – und auf eigenes Risiko.
Änderungen an Düsen und Nadel greifen tief in die Abstimmung ein. Eine zu magere Einstellung kann zu Überhitzung und Motorschaden führen. Ändere immer nur eine Sache auf einmal, in kleinen Schritten, und kontrolliere das Ergebnis über das Zündkerzenbild (Kapitel 12).


11.1 Wann überhaupt neu bedüsen?


Der Bedarf hängt vor allem von der Luftdichte ab. Je dichter die Luft, desto mehr Kraftstoff braucht der Motor, um das Verhältnis zu halten:

  • kalt / dichte Luft / niedrige Höhe → tendenziell fetter abstimmen.
  • heiß / dünne Luft / große Höhe → tendenziell magerer abstimmen.

Die richtigen Größen findest du nur durch Ausprobieren in kleinen Schritten und durch das Lesen des Zündkerzenbilds. Diese Anleitung gibt dir bewusst die Richtung vor, nicht die Zahlen.


11.2 Die drei Stellschrauben der Bedüsung

  • Leerlaufdüse: wirkt im Leerlauf und beim Anfahren.
  • Düsennadel (Clip-Position): wirkt im mittleren Bereich (Teillast).
  • Hauptdüse: wirkt bei Vollgas.

11.3 Düsennadel verstellen


Die Nadel hängt am Schieber und taucht in die Nadeldüse ein. Ein kleiner Clip in einer von mehreren Kerben legt fest, wie tief. Als Faustregel:

  • Clip eine Kerbe höher setzen → Nadel taucht tiefer ein → Gemisch magerer (Teillast).
  • Clip eine Kerbe tiefer setzen → Nadel steht höher → Gemisch fetter (Teillast).


11.4 Düsen wechseln – so gehst du vor

  1. Schwimmerkammer öffnen (Kapitel 10).
  2. Haupt- und/oder Leerlaufdüse vorsichtig herausschrauben. Notiere dir die aktuelle Bestückung, bevor du etwas änderst.
  3. Neue Düse handfest einsetzen – nicht überdrehen, das Gewinde ist weich.
  4. Bei Bedarf die Clip-Position der Nadel anpassen (siehe 11.3).
  5. Schwimmerkammer mit intakter Dichtung schließen.
  6. Probelauf und Zündkerzenbild prüfen (Kapitel 12). Danach ggf. den nächsten kleinen Schritt gehen.

TIPP
Reinige Düsen nur mit Reiniger und Druckluft. Stichst du sie mit Draht durch, veränderst du die Bohrung und damit die Abstimmung dauerhaft.

12. Zündkerzenbild lesen


Die Zündkerze ist dein ehrlichstes Messinstrument. Ihr Aussehen zeigt, was im Brennraum tatsächlich passiert – ob die Verbrennung sauber ist und ob das Gemisch eher zu fett oder zu mager läuft. Richtig gelesen, kontrollierst du damit jede Änderung an Leerlauf, Nadel oder Düsen und erkennst eine gefährlich magere Abstimmung früh.


12.1 Deine Kerze: NGK BPR6ES


Wir verwenden ausschließlich die NGK BPR6ES – dieselbe Zündkerze, die auch Honda ab Werk einsetzt. Der Elektrodenabstand beträgt 0,7-0,8 mm.
Lies das Kerzenbild nur mit genau dieser Kerze. Ein anderer Wärmewert verfälscht das Ergebnis: eine zu kalte Kerze sieht „zu fett“ aus (verrußt), eine zu heiße „zu mager“ (kalkweiß). Auch der Elektrodenabstand gehört dazu – ist er zu groß, bekommst du Aussetzer und ein fälschlich fett wirkendes Bild.


HINWEIS
Immer NGK BPR6ES mit 0,7-0,8 mm Elektrodenabstand verwenden. Ein anderer Wärmewert oder ein falscher Abstand macht das Kerzenbild wertlos.


12.2 Sauberer Kerzen-Check (Plug-Chop)


Eine Kerze zeigt immer den zuletzt gefahrenen Lastbereich. Damit das Bild wirklich den Bereich zeigt, den du prüfen willst, gehst du so vor:

  1. Für eine eindeutige Ablesung am besten eine frische oder gereinigte NGK BPR6ES einsetzen.
  2. Motor betriebswarm fahren.
  3. Den zu prüfenden Bereich konstant fahren. Für Volllast: bei Vollgas die Zündung abstellen bzw. das Gas schlagartig wegnehmen und ausrollen – nicht in den Leerlauf zurückfallen lassen, sonst überlagert der Leerlauf das Bild.
  4. Motor abkühlen lassen (schützt das Gewinde im Alu-Kopf), den Bereich um die Kerze säubern und die Kerze herausdrehen.
  5. Bei gutem Licht, wenn möglich mit einer Lupe, ablesen. Den Isolatorfuß dabei nicht mit den Fingern berühren.

12.3 Wo du was abliest


Betrachte die Kerze in drei Zonen – jede erzählt etwas anderes:

  • Isolatorfuß (weiße Keramik): die Farbe verrät Gemisch und Verbrennungstemperatur.
  • Mittelelektrode: verrundete oder erodierte Kanten deuten auf zu viel Hitze oder Verschleiß.
  • Masseelektrode (Bügel): Verfärbungen zeigen die Wärmebelastung; bei euren Motoren dient sie vor allem als Hitze- und Verschleiß-Anzeiger (der Zündzeitpunkt ist fest, siehe 12.7).
Bild vom Aufbau einer Zündkerze

12.4 Die Kerzenbilder und was sie bedeuten

Bild von 3 Zündkerzen in unterschiedlichen Konditionen

12.5 Im richtigen Lastbereich ablesen


Das Kerzenbild gehört immer zu dem Bereich, in dem du zuletzt gefahren bist (siehe Kapitel 4). So wird es handlungsleitend:

  • weißes Bild nach einem Volllast-Check → Hauptdüse zu mager
  • schwarzes Bild aus dem unteren Bereich → Leerlaufsystem zu fett
  • Auffälligkeiten im mittleren Bereich → Düsennadel (Clip-Position)

12.6 Warnsignale: Überhitzung & Detonation


WARNUNG
Diese Bilder bedeuten: sofort Fahrt beenden.


Blasige oder glasige Keramik, angeschmolzene oder stark verrundete Elektroden, kleine Aluminium-Kügelchen auf der Kerze oder ein gerissener Isolator sind Zeichen für Überhitzung, Detonation oder Glühzündung.
 

Typische Ursachen: zu mageres Gemisch, zu niedrige Oktanzahl oder Überhitzung. Fahre nicht weiter. Fette das Gemisch an, verwende hochoktanigen Kraftstoff (siehe Kapitel 5.1) und suche die Ursache, bevor du erneut startest.


12.7 Grenzen & wichtige Hinweise

  • Das Kerzenlesen ist ein Richtungsanzeiger, kein Laborwert. Moderner Kraftstoff und Additive verändern die Farbe – beurteile im Zweifel zusätzlich das Fahrverhalten (Kapitel 15).
  • Ändere immer nur eine Sache pro Durchgang und lies danach neu.
  • Zündung: Die CDI ist in die Zündspule integriert und lässt sich nicht verändern – weder von dir noch von uns. Ein „heißes“ oder „mageres“ Kerzenbild führst du deshalb auf Gemisch, Nebenluft, Kerze oder Elektrodenabstand zurück, nie auf die Zündung.
  • Verwende hochoktanigen Kraftstoff mit geringem Biokraftstoffanteil (Kapitel 5.1) – das senkt die Detonationsneigung.

13. Beschleunigungspumpe (nur TM33 / VT390-26)


Die Beschleunigungspumpe des TM33 spritzt beim schnellen Gasgeben eine kleine Extra-Menge Kraftstoff ein. Das füllt genau die Lücke, die beim plötzlichen Aufreißen des Gases sonst zu einem kurzen „Loch“ führen würde. Wie in Kapitel 3 beschrieben, arbeitet die Pumpe automatisch über den Gaszug mit – du betätigst hier nichts von Hand.


13.1 Funktion prüfen

  1. Motor aus, Luftfilter abgenommen, damit du in den Vergaser sehen kannst.
  2. Den Gaszug bzw. den Schieber zügig aufziehen und dabei in den Ansaugtrakt schauen.
  3. Es sollte ein feiner, kurzer Kraftstoffstrahl sichtbar sein. Bleibt er aus, kann die Membran der Pumpe verschlissen, verklebt oder undicht sein oder der Kanal verstopft.
  4. Bei Verdacht die Pumpe reinigen und die Membran prüfen. Ist sie beschädigt, muss sie ersetzt werden.
     
Bild eines TM33 Vergasers mit Markierungen und Bezeichnungen

HINWEIS

Typisches Fehlerbild: Der Motor „verschluckt“ sich beim schnellen Gasstoß und nimmt kurz nicht an. Dann lohnt zuerst der Blick auf die Beschleunigungspumpe.


14. Reinigung, Wartung & Einlagerung


14.1 Regelmäßige Kontrolle

  • Luftfilter sauber halten. Der K&N-Sportluftfilter des VT390-26 wird nach Herstellervorgabe gereinigt und geölt; den Sportluftfilter des VT390-20 sauber und trocken halten.
  • Kraftstofffilter regelmäßig prüfen und bei Verschmutzung tauschen.
  • Schläuche und Dichtungen auf Risse und Undichtigkeiten kontrollieren.

14.2 Vergaser reinigen


Läuft der Motor unrund, obwohl die Einstellungen stimmen, ist oft Schmutz im Spiel. Dann Schwimmerkammer öffnen, Düsen ausbauen und mit Reiniger und Druckluft säubern. Keine Metalldrähte verwenden.


14.3 Einlagerung / längere Standzeit


ACHTUNG
Vergaser vor längerer Standzeit entleeren.
Bleibt Kraftstoff über Wochen im Vergaser, verharzt er und setzt die feinen Düsen zu. Das ist die häufigste Ursache für Startprobleme nach der Winterpause. Zum Entleeren den Benzinhahn schließen und den Motor laufen lassen, bis er von selbst ausgeht, bzw. die Schwimmerkammer ablassen.


15. Fehlerbehebung


Gehe die Tabelle von oben nach unten durch. Frage dich zuerst: Bei welcher Gasstellung tritt das Problem auf? Das zeigt dir das zuständige System (Kapitel 4). Prüfe außerdem immer zuerst die einfachen Dinge: Sprit im Tank, Benzinhahn offen, Filter und Schläuche frei.
 

WARNUNG

Bei einem sehr hellen, weißen Kerzenbild oder wenn der Motor auffällig heiß wird: Fahrt sofort beenden, Gemisch anfetten. Weiterfahren kann den Motor zerstören.


16. Kurz-Checkliste vor jeder Fahrt

  • Genug Sprit im Tank
  • Filter und Schläuche frei, Überlaufschläuche nach oben und nicht geknickt
  • Luftfilter sauber und fest
  • Gaszug leichtgängig, fällt sauber in den Leerlauf zurück
  • Motor mit niedrigen, langsam steigenden Drehzahlen warmfahren (nicht im Stand warmlaufen lassen)

 

18. Wenn du nicht weiterkommst


Arbeite dich in Ruhe durch die Kapitel 4 und 15 – die meisten Probleme lassen sich damit einkreisen und selbst beheben. Kommst du an einen Punkt, an dem du unsicher bist oder ein Bauteil defekt ist, kontaktiere JBMK GX Racing. Beschreibe dabei möglichst genau, bei welcher Gasstellung das Problem auftritt und was du bereits geprüft hast – das spart auf beiden Seiten Zeit.

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